Das neue Mac OS X
Und jetzt alle: Unix. Das Mac OS steigt fundamental um auf das Betriebssystem Unix mit fluffiger Oberfläche. Ob dennoch alles so geht, wie der Mac User will, und was noch fehlt zum totalen OS Glück, sagt euch Markus Hauer.
Eigentlich wollte "Apple" nach dem Flop mit der Betriebssystemstrategie "Copland" ein wirklich komplett neu zusammengesetztes Betriebssystem mit dem wohlfeilen Namen "Rhapsody" auf den Markt bringen. Leider hätte "Rahpsody" die Programmierer der Applikationen von Adobe, Macromedia bis hin zu Quark, usw. dazu gezwungen, alle bisher gemachte Arbeit zu vergessen und ihre Programme neu anzugleichen. Als Kompromiss entschied man sich dafür, eine Kompatibilitäts-Bibliothek namens "Carbon" einzubauen, in der 70 Prozent der alten Funktionen aus "Mac OS" abgelegt wurden. "Mac OS X" war geboren.
In den letzten zwei Jahren bekam man davon in regelmäßigen Abständen smoothe Screenshots zu sehen. Eigentlich wollte Apple damit schon im letzten Jahr fertig sein, doch dann gab es nur die Vorabversion "Public Beta". 30$ sollte man dafür bezahlen, um Apple das debuggen zu erleichtern. "Microsoft" hat derweil offenbar die Betas eingängig studiert, denn erste Versionen von ihrem neuen Consumer-Betriebssystem "Windows XP" zeigen verblüffende Parallelen zu OS X auf. Um dann wenigstens in diesem Jahr doch noch zu einem Release zu kommen, gab man auf der MacWorld im Januar als offiziellen Verkaufsstart den 24. März 2001 an. Nun ist es da und wir haben es installiert.
Installation
Zu allererst braucht ihr Mac OS 9.1, das netter Weise mitgeliefert wird. Das Handbuch mit sage und schreibe 30 Seiten kann man dagegen nach einmal durchblättern zum Altpapier packen. Dann finden sich noch drei CD's (OS X, OS 9.1, Cocoa-Tools), die auch in einer smarteren Verpackung Platz gehabt hätten, aber 329 DM sollen ja auch einen irgendwie materialisierten Gegenwert bieten. Die Installation geht recht flott, wenn da nicht bei "Kruder & Dorfmeister"-Untermalung eine Registrierung erforderlich wäre, die sich einfach nicht abbrechen lässt. Hier hat Apple was von Microsoft gelernt und schickt beim ersten Kontakt mit dem Internet die Registrierung fein säuberlich an den Apple-Server. Igitt! Allerdings muss man keinerlei Seriennummer eingeben, die üblichen Verwirrungsdaten helfen also hier weiter. Als erstes auffallend: Apple hat offenbar die Abteilung "Hilfe" aus dem System genommen und auf den eigenen Servern ablegt. Hilfe kommt nun über das Internet, so ist die Hilfe immer auf dem neuesten Stand. Lustig wird es dann, wenn ihr z.B. nicht wisst, warum ihr keine Verbindung zum Provider bekommt, denn da sagt die Hilfe: Sorry, kann keine Verbindung zum Server aufbauen.
Interface
Kann man derzeit überall Lobeshymnen auf das durchgestylte Interface lesen, wollen wir diesen Mythos mal kräftig zerstreuen. Vergesst zu überlegen, welche Schrift ihr am liebsten mögt, Apple hat das bereits für seine Kunden getan. Zur Zeit, und wir hoffen mal, dass das nur an der Deadline von Herrn Jobs lag, kann man eigentlich nichts individualisieren, mal abgesehen von einigen wichtigen Details. Die bunten Kugeln und die blauen Swimmingpool-Einsprengsel kann man auf Graphit umstellen, was irgendwie auch besser zu diesem ungelenken Fenstersystem passt. Fenster können nur noch nach oben verschoben werden, nicht wie bisher an allen Kanten. Auch das praktische Einparken der Fenster am unteren Rand hat die "Apple Interaction Group" charmant vergessen. Einzig das so genannte "Dock" bringt hier etwas Schwung, in dem man alles ablegen kann, was einem lieb ist. Jede Applikation kann die Icons selbst ansteuern, so dass z.b. Quicktime-Filme weiter in Icon-Form abgespielt werden können und abgelegte Dokumente immer als Vorschau zu sehen sind. Die Kontrollleisten-Module liegen jetzt auch dort, von denen es allerdings derzeit nur drei (Airport, Monitor, Batterie) gibt. Wann nun die Skins (also individualiserbare Interfaces) bei Mac OS X Einzug halten, will man bei Apple noch nicht so recht verraten. Sollte dieser Standard nur den Drittanbietern (Nerds mit Photoshoperfahrung) überlassen werden?
Selber Programmieren
Manchmal kommen dann auch wieder klare Zukunftsmomente beim Herumspielen mit Mac OS X. Installiert man nämlich die Developer Tools-CD, kann man sich ungefähr vorstellen, dass Mac OS X zu einer Spielwiese für Programmierer jeden Typus werden dürfte. Zum einen wird "Java" in seiner aktuellsten Version unterstützt. Mit den integrierten Umgebungen "ProjectBuilder", "InterfaceBuilder" und noch vielen anderen praktischen Beigaben soll es endlich wieder möglich sein, mit kleinen Teams Konkurrenzprodukte zu den Giganten am Softwarehimmel zu basteln. Wir warten hungrig!
"Unix" und "LINUX"-Freunde werden auf jeden Fall leichter zu überzeugen sein als bisher, sich einen Mac anzuschaffen. Gibt es doch aufgrund des Unix-Kernels eine Console, in der man alles ganz oldschool eintippen kann.
Fazit
Trotz nicht vorhandener Software und Treiber sollten alle Mac-Anwender der Aktie von Apple einen Aufschwung verpassen. Installieren kann man es auf alle Fälle und wer keine ISDN-Treiber benötigt, kann schon fast damit arbeiten. "Word" und Hardware-unabhängigen Produkte laufen in der Classic-Umgebung schon ganz passabel auf unserem G4-Testgerät. Beim Interface muss man halt ein bisschen warten. Bald gibt?s wahrscheinlich vom "Ikea"-Style bis zum "Designers Republic"-Interior alles zum Downloaden. Außerdem steht von der "Omni Group" ein ziemlich gelungenes Browserlein schon bereit (www.omnigroup.com).
Stabil ist OS X auf jeden Fall. Doch wer noch warten will oder muss, kann dies mit ein wenig Euphorie tun, weil?s ja dann doch ganz schön ist, wenn?s überall wabbert und zoomt. Und preemptives Multitasking, Speicherschutz- und management sowie Multiprozessorunterstützung sind Argumente, die nicht nur das Computerklubmitglied zu schätzen weiß. Und in sieben Sprachen wird es jetzt auch gleich auf einer CD geliefert. Danke, Herr Jobs!
Mac OS X kostet 329 DM und ist seit dem 24. März im gut sortierten Fachhandel zu erwerben.