Schoenerwissen/OfCD

Schoenerwissen

Office for Computational Design

February 2001

Mit dem Autopilot den Computer lenken

by Marcus Hauer

Als Autor von "Design by Numbers" und Direktor des Media Lab am MIT ist John Maeda ein Begriff im Wedesign, eine Institution. Das hat er sich auch gedacht und 33-jährig mit seinem neuen Buch "Maeda & Media" bereits eine Retrospektive zu seinem eigenen Schaffen geschrieben.

Designer sind wie Fliegen, hat man sie einmal auf den Geschmack gebracht, sind sie nicht mehr zu stoppen im Flug auf die tolle Beute. John Maeda ist da ein bisschen anders! Natürlich kommen hier viele glückliche Umstände zusammen: Erstens ist er japanischer Abstammung, zweitens in Seattle geboren, drittens hat er am MIT studiert und viertens ist sein Vater Tofu-Produzent und Koch gewesen. Mit 33 Jahren ist John Maeda mittlerweile schon ein Stern unter den neuen Designern, auch wenn man ihn nicht wirklich Designer nennen kann, zumindest nicht in einer Reihe mit anderen (außer seinem Vorbild Paul Rand vielleicht). Außerdem kann er die großen Webdesignfabriken wie Razorfish, Sapient und Rare Medium wirklich nicht leiden und vergleicht sie gerne mit dem Todesstern aus Star Wars. Dieses Jahr ist Herr Maeda auch institutionell ganz oben angekommen, als Nachfolger von Nicholas Negroponte (Autor von "Being Digital") ist er nun Direktor des Media Lab am MIT, hier leitet er die Aesthetics and Computation Group.

ANFANGEN
Begonnen hat alles mit einem Master in Computer Science im Jahre 1989, womit er allerdings nicht sonderlich glücklich war und nochmal in Japan ein klassisches Kunststudium begann. Nach einigen Jahren als Grafikdesigner eröffnete er mit seiner Frau Kris die eigene Agentur mit Klienten wie New York Times Magazine, Absolut Vodka und Shiseido. Gleichzeitig wurde er 1996 ans Media Lab berufen, um dort die Aesthetics and Computation Group aufzubauen. Hier sollte Technologie mit Ästhetik vereint werden, was 1999 in dem Klassiker "Design by Numbers" erste Früchte trug. Dabei geht es um ein Verständnis von Computer und Design fernab von Versionsnummern und Anti-Aliasing. DBN ist eine Mini-Programmiersprache, mit der Programmier-Newbies ein besseres Verständnis von den graphischen Möglichkeiten des Rechners bekommen sollten. Parallel dazu erschien ein Handbuch in Tutorial-Form und es wurden Kurse an anderen Schulen eingerichtet. Bilder zu programmieren wurde zum State of the Art Konzept, was glücklicherweise immer noch nicht veraltet ist, da wohl darin so etwas wie die Zukunft von kreativen Prozessen verborgen liegt.
"Gab es früher eine Balance zwischen Technikfortschritt und Kultur, führt heute die Technik weit voraus. Das hat den Effekt, als würden die Hände immer größer und der Verstand immer kleiner."

BEING DIGITAL
Schnell könnte man auf den Gedanken kommen, dass Herr Maeda seine Kreativität dem Computer übergibt und ihm Subjekt, Künstler und Werk völlig egal sind. Doch weit gefehlt, denn da beginnt die Sache erst spannend zu werden - sein handschriftliches Logo mit Jahreszahl findet man auf allen Grafiken von ihm. Egal ob sie mit dem Stift oder mit Prozessorleistung erstellt worden sind. Seine Idee von Programmieren und Gestaltung basiert auf einer Vorstellung von Künstler und Ingenieur in einer Person, wodurch seine Studenten am MIT auch aus beiden Richtungen entstammen. Sein größtes Problem hat er allerdings mit aktueller Software. Denn um einen Computer einzusetzen, ist das Einzige, was man seiner Meinung nach heutzutage benötigt, Cleverness. "Wenn sie das geschafft haben, können sie per Knopfdruck alles wiederholen. Das kann ihr Gehirn ruinieren".
Die Frage ist also, beflügelt der Computer unsere Kreativität oder lässt er uns nur zu seinem Sklaven werden, und wir wissen gar nicht mehr, wie unfrei und determiniert uns Software eigentlich macht? "Noch vor 10 Jahren musste man mühsam aus einem Buch die Codes eingeben. Wenn man heute einen Computer startet, fragt er einen, welchen Online-Dienst man nutzen möchte und über welchen Browser man den Internetzugang wünscht. Man glaubt, dass dies der Weg ist, wie es läuft. Ich hingegen bin der Meinung, dass man einen Schritt weitergehen muss. Nur so können wir feststellen, was die Einzigartigkeit der Technologie eigentlich bedeutet."

DAS BUCH
Nach zehn Jahren publiziert Maeda mit "Maeda & Media" bereits eine Retrospektive über sein Schaffen. Das ist vielleicht ein wenig strange, aber mit seinen 464 Seiten ist dieses Buch ein wirklich sehenswertes Objekt, das man jedem ans Herz legen kann, der an ein Leben nach Designers Republic glaubt. In einer Mischung aus Autobiographie und Manifest bekommt man ein Gefühl dafür, was Design kann und in Zukunft auch sein muss.

"Maeda & Media" ist erschienen im Bangert Verlag Schopfheim (DM 88,00).