Schoenerwissen/OfCD

Schoenerwissen

Office for Computational Design

January 2002

Kuscheln mit dem Robo

by Anne Pascual

Warum verlassen eigentlich so viele Anhänger der Künstlichen Intelligenz-Forschung (KI) die Labors und wandern in die Spielzeugindustrie ab?

Warum verlassen eigentlich so viele Anhänger der Künstlichen Intelligenz-Forschung (KI) die Labors und wandern in die Spielzeugindustrie ab? Weil sie Gefallen gefunden haben an den "Aibos", den "Asimos" und an der Entwicklung von intelligentem Spielzeug, das vor allem eines kann: seinen Besitzer begeistern. Emotionen sind ein schwerer Brocken bei der Erforschung menschlicher Intelligenz. Sie sind schwer zu simulieren, das kann man sich vorstellen. Umso auffälliger ist, dass die neusten Entwicklungen auf dem Roboter-Markt mehr oder weniger praktisch, aber besonders unterhaltsam sind, wie unser Bericht von der Robotermesse in Yokohama zeigt. Die Reaktionen der Besitzer sind dabei das erweiterte Testfeld. Die Absatzzahlen zeigen, wie erfolgreich die Verhaltensforschung vor der Produktion tatsächlich war. Man jubelt nicht mehr nur über den technischen Fortschritt, sondern über die praktische Überwindung des Leib-Seele-Dings. Im Roboterland Japan geht man ganz ungezwungen damit um, dass Automaten funktionale Äquivalente für Gefühle sein können. Um bei ihrer Zielgruppe (vernachlässigte Rentner, einsame Singles oder Einzelkinder) anzukommen, brauchen die Tier- oder Menschroboter nur noch das passende Software-Paket. Bislang sieht es fast so aus, als würde sich das Verhaltensprogramm der Automaten und ihrer Käufer immer mehr angleichen. Wenn sie erst einmal fast identisch geworden sind, kann der KI Forscher sich wieder überlegen, wie man statt Intelligenz Nicht-Wissen und Unbestimmtes als Qualität des Menschsein programmiert. Den ersten Versuch machen jetzt bereits Aibo Hacker, die ihren Hund zum tanzen bringen.