Mythos Cebit - So ist sie wirklich
Handy-Technologie und Bluetooth waren auch dieses Jahr die gehyptesten Technologien der CeBit. Die weltgrößte Computermesse in Hannover schaffte auch dieses Jahr wieder einen neuen Besucherrekord und beweist damit erneut: Mit Bier kann man selbst Deutsche zu neuer Technologie locken. Ein Rundgang.
Von wegen Repression, die waren gut drauf auf der "CeBit", die Aussteller, Fachbesucher und Medienbeobachter. Kein Wunder, denn mit 50 000 Besuchern mehr als im letzten Jahr und wachsender Ausstellungsfläche baut die CeBit ihre Position als größte Computermesse der Welt weiter aus. Da kommen selbst die Unternehmer aus Fernost und den USA gern vorbei, um zu sehen, wie man die Kurseinstürze an der Börse schön reden kann. Optimismus ist ansteckend. Wissenschaftler haben jetzt bewiesen, dass Anleger ihre Entscheidungen keineswegs an ökonomischen Daten, sondern am Verhalten ihrer Konkurrenten ausrichten. Dieses Phänomen nennt sich auch an der Börse "Herding". Auch wir haben uns auf der CeBit mit den anderen 830 000 Besuchern im Herdenverhalten geübt und uns bei unserem Rundgang durch die endlosen Hallen von den computerbegeisterten Massen mitziehen lassen.
Wieder mal WAP
An vorderster Front standen dieses Jahr wieder Anbieter des drahtlosen Internets. Sie haben nach ihrem Reinfall des letzten Jahres "WAP" (Wireless Application Protocoll) einen neuen alten Standard präsentiert: GPRS. Laut den Anbietern von Mobile Commerce schlug Wap sowieso nur deshalb fehl, weil die "GSM"-Technik mit 9.6 Kilobits pro Sekunde dem User zu langsam war. Die Übertragungstechnik "GPRS" (General Packet Radio Service) soll jetzt wieder die Finanzströme in Richtung Mobilfunkanbieter und Handyproduzenten fließen lassen. Immerhin mit bis zu 115 Kbits/s (doppelte "ISDN"-Geschwindigkeit) sollen wir unsere Bücher in der Straßenbahn bei Amazon bestellen und nebenbei noch die neuesten Mailinglisten-Beiträge lesen können.
Die Marketingstrategie für die Umstellung von GSM auf "3G" (Third Generation) sieht vor, dass GPRS die Menschen an das mobile Internet gewöhnt. Sie sollen sich ein Leben ohne die neuen Möglichkeiten gar nicht mehr vorstellen können. Dann springt "UMTS" in den Ring und soll uns zeigen, dass "WebPads" (so eine Art Grafiktablett mit Display und ganz vielen Möglichkeiten) uns alle viel glücklicher machen. Alles streamt von überall! Ganz vorn natürlich die Werbung! Außerdem gibt's bereits zwei Handys, die Daten gleich über vier GPRS-Kanäle empfangen können. Da passt ja schon eine Menge Content durch den Kanal. Darum ging's bei der CeBit aber nur am Rande.
Mit dem Bedienen der neuen Handys ist man allerdings noch nicht viel weiter gekommen als letztes Jahr: E-Mails schreibt man immer noch wie eine blöde "SMS"-Nachricht, was Monopolmeister "Telekom" wohl dazu bewegt hat, jetzt auch SMS für das Festnetz anzubieten. Denn wie man sich die Finger verbiegt, ist doch egal. Genauso durchtrieben ist die Idee, sogenannte "SmartPhones" anzubieten, eigentlich einfach Organizer, die als Handys verkauft werden. Was ungefähr die gleiche Kategorie ist wie SMS fürs Festnetz. Da ist uns die andere Variante "PDA" (Personal Digital Assistant) mit Telefonmodul viel sympathischer. Weil modular.
Bluetooth
Richtig Furore machte zu dem etwas ganz Anderes: Überall gab es den blau leuchtenden Zahn zu sehen. Die "Bluetooth" Euphorie hatte einige Hallen fest im Griff, obwohl Intel bereits vor zwei Jahren damit aufkreuzte, ist der neue Funkstandard, nachdem sich Toshiba und IBM eingeklinkt haben, nun kostengünstig. Eine Schnittstelle kostet ca. 30 DM, was für Elektronikingenieure, die eigentlich mit Pfennigen kalkulieren, immer noch zu viel ist. Den Namen des dänischen Königs Blauzahn verpassten die beteiligten Ingenieure von Ericsson und Nokia dem Ganzen und sorgten dafür, dass diese Form der schnurlosen Kommunikation nicht nur bequem ist, sondern verfügt inzwischen auch über eine Menge neuer Anwendungsmöglichkeiten. Also, Kabel alle in den Müll, denn mit Bluetooth lässt sich so ziemlich alles ansteuern, was es gerade gibt: Headset, Handy, Organizer oder Rechner. Zunächst nur als Verbindungsmöglichkeit zwischen zwei Geräten gedacht, lassen sich nun auch mehrere Geräte miteinander vernetzen. Um das eindrucksvoll unter Beweis zu stellen, wurde in Halle 13 ein Bluetooth-Funknetz installiert, das PDA-Benutzern den Weg wies. Einen tatsächlichen Nutzen stellt Bluetooth wohl hauptsächlich für diejenigen dar, die auf dichtem Raum einen dichten Datentransfer benötigen wie auf Kongressen oder Flughäfen. Genau genommen ist das nur der konsequente Nachfolger vom Infrarot-Standard "IrDA", der viel verbaut wurde, aber auf Grund seiner mangelnden Flexibilität nie wirklich beim Consumer ankam.
Dass "Apple" nun schon seit über einem Jahr die "Airport" Technologie (802.11 Standard) in allen Rechnern integriert, interessierte auf der CeBit natürlich auch keinen. Verwechseln sollte man Bluetooth allerdings nicht damit, denn bei Bluetooth passen nur 1 Mbit/s durch, wohingegen Airport 11 Mbit/s zu bieten hat und auch eher für Computernetzwerke gedacht ist. Mit 100 Metern Reichweite wird Bluetooth allerdings kaum angeboten, weil es zum Stromsparen meist nur in der "Pico"-Variante in die Geräte kommt, bei der die Distanz nur zehn Meter beträgt. Für die Fernbedienung allemal ausreichend.
ZUM SCHLUSS
Das Problem der CeBit dürfte auf längere Sicht die viel gerühmte Größe werden, da ihr kleinere Spezialistenmessen sowieso schon den Status abgelaufen haben. Apple übt sich deshalb auch in Zurückhaltung, wenn man sie auf ihre Abstinenz auf der größten Messe aller Messen dieser Welt anspricht. Und für mehr als einen Firmenausflug mit Freibier ist sie ja wohl auch nie gedacht gewesen. Business to Business und wieder zurück.